Verena‘s und Favor‘s TODtraurige Geschichte

 

Jeden Samstag morgen fahre ich mit all meinen Hunden im Auto zuerst auf den Markt in Belfort, anschliessend gehe ich im Supermarkt einkaufen und danach mache ich immer irgendwo auf dem Heimweg einen Spaziergang.

Am Samstag, 3. Februar o7, 12.40 Uhr, ging ich wieder mal in der Naehe des "Sport Canin de Belfort Nord" spazieren. Ploetzlich waren Favor und Locke nicht mehr zu sehen, eine Kurve verbaute mir die Sicht. Ich rief die Beiden laut mit Namen. Bald darauf kam Locke zurueck, ohne Favor. Ich rief nach meinem Buebe, lief mit den Huendinnen und Talpas in den nahe gelegenen Wald. Ging dann zurueck zum Auto um Talpas einzuladen.

Anschliessend lief ich auf vielen Wegen durch den Wald, auf und ab, immer nach Favor rufend. Favor war unauffindbar.

Inzwischen war es halb drei. Auf dem nahe gelegenen Hundeplatz wurde trainiert. Ich informierte alle dort, dass Favor abgehauen sei. Die Hundesportler sahen meine Verzweiflung. Viele davon halfen bei der Suche.

Weil ich mein Auto mit den Hunden dort lassen wollte, fuhr Patrick, den ich vorher nicht kannte, mit mir nach Hause, um Favor's Korb und Decke zu holen. (Danke, Patrick!) Ich hoffte so sehr, dass Favor inzwischen zurueck gekehrt sei; aber leider war dem nicht so.

Wir legten den Korb mit der Decke, samt einer Weste von mir und dem Wassernapf an den Ausgangspunkt.

Wieder Runden im Wald, laut rufend, bis zur Einnachtung. Viele Spaziergaenger versprachen mir, die Augen offen zu halten. Kein Favor.

Nach Hause, Hunde fuettern, Polizei, Jaeger, anrufen. Alle 2 Stunden die ganze Nacht über mit Auto zum Ausgangspunkt. Jedes Mal hoffend, jedes Mal enttaeuscht, kein Favor.

Sonntag Morgen: Tieraezte/Kliniken, Tierheime, Gendarmerie, Lokalradio anrufen. Zu Mady Schwartz (Centrale Canine de Franche-Comté) fahren. Immer wieder und wieder beim Ausgangspunkt nach schauen. Kein Favor.

Sonntag spaet: ich bin muede und erschoepft, kann 4Std schlafen. Dann erneut immer wieder zum Ausgangspunkt. Kein Favor.

Montag morgen ruft Katrin an, sie verspricht zu kommen, nach 3 1/2 Std. Fahrt ist sie mit Embla da. Inzwischen habe ich saemtliche Mairies in den Doerfern rund um den grossen Wald informiert und habe Ruedi Nussbaum angerufen. Er will mit seinem Bloodhound "Andy" um 14.30 Uhr bei mir sein.Danke, Ruedi, fuer deine sofortige Hilfe!

Um Favor's Spur aufnehmen zu koennen, braucht Andy Favor's persoenlichen Duft. Alle Decken, Koerbe, Leinen,etc... riechen nach allen meinen Hunden. Da faellt mir Favor's Apportierholz ein. Ruedi legt dies in einen engen Plastiksack und gibt es Andy am Ausgangspunkt zum riechen. Andy beginnt mit der Suche, Ruedi hinter her. Zum Glueck hat Katrin ein Handy, so kann Ruedi uns wenn noetig anrufen.

Katrin und ich suchen und rufen am anderen Ende des Waldes nach Favor. Katrin ruft ein "Medium" an, sie fragt, ob Favor noch lebt und wo er sein koennte.

Gegen 17 Uhr ruft Ruedi an, er sei mit Andy an der Tankstelle ausgangs Roppe. Wir fahren hin.

Ruedi sagt, Andy sei mit ihm kreuz und quer, auf und ab, mit vielen Schlaufen durch den Wald gelaufen, schliesslich haette er auf einem Straesschen runter nach Roppe gezogen und an der Hauptstrasse angezeigt, dass die Spur zu Ende sei.

Grosse Verzweiflung.

Katrin, die Pudel und ich fahren nach Hause. Wir sind erschoepft, hatten wir doch den ganzen Tag nichts gegessen. Ich mache zwar ein Nachtessen; aber es gehen nur ein paar Bissen runter. Die anschliessende finstere Nacht ist entsetzlich lang.

Dienstag: wir sind ratlos. Erneut einige Telefonate. Wo sollen wir noch suchen/rufen?

Katrin muss wieder zurueck fahren. Sie ruft am Abend an, das "Medium" haette ihr mitgeteilt, dass Favor lebt, dass er in einem Haus in Roppe sei. Ich solle am nächsten Morgen dort von Haus zu Haus gehen und nach Favor fragen.

Mittwoch, 7.Febr.: um 8.30 Uhr frage ich bereits die ersten Hausbewohner nach Favor. Es ist 3 Std. lang ein einziger Frust. Niemand hat Favor gesehen. Endlich um halb zwoelf eine Frau, die mir sagt, sie haette vor ein paar Tagen einen braunen Grosspudel unten an ihrem Grundstueck gesehen, er haette ein Loch gegraben. Sie erinnere sich nicht mehr, ob es Samstag oder Sonntag gewesen waere. Ein kleiner Llichtblick! Ich gehe weiter von Haus zu Haus. Scheusslich, doch die Hoffnung trieb mich vorwaerts; aber keine weitere Spur meines Buebe.

Nach 13 Uhr komme ich nach Hause. Das Telefon klingelt. Es ist Mady Schwartz die sagt: "ich habe keine gute Nachricht. Ihr Favor wurde heute Vormittag im Graben an der Hauptstrasse tot aufgefunden. Man hat ihn zu mir gebracht".

Dumpfer koerperlicher fast nicht auszuhaltender Schmerz.

Ich bin dann gleich zu Mady gefahren und habe meinen toten Buebe geholt. Er war voellig unverletzt.


Philippe, mein lieber Nachbar, hat mir am Donnerstag Morgen bei stroemendem Regen hier in der Naehe des Hauses sein Grab geschaufelt und gemeinsam haben wir das Liebste was ich besass, zusammen mit seinem Blauboele, beerdigt.

Wie dieses Unglueck passieren konnte ist mir unerklaerlich, hatte doch Favor eigentlich einen perfekten Gehorsam.

Wer diesen einmaligen, sportlichen, starken, wunderbaren Grosspudel-Rueden mit grosser Ausstrahlung kennen lernen durfte, kann erahnen, was ich verloren habe.

Es bestand eine unbeschreiblich tiefe Vertrautheit zwischen uns.



Seelenhunde hat sie jemand genannt...

...jene Hunde, die es nur einmal gibt im Leben,

die man begleiten darf und die einen auf andere Wege fuehren.

Die wie Schatten sind und wie die Luft zum Atmen.                       

Von Gabi Kopp bekommen. Autor unbekannt.


Erst lange Zeit danach habe ich erfahren, dass Favor wohl der Spur einer hitzigen Hündin gefolgt ist.

Foto: Jutta Ibeschitz

Beide Fotos: Jutta Ibeschitz